Samstag, 20. Oktober 2012

Um die ganze Welt




Mit viel Schwung und einem dumpfen Knall klatscht die Hand auf das Plastik, als der Ball sich zu drehen beginnt. Die Augen geschlossen, abwartend. Nur ein leises Knistern, immer wenn die schwarze Halterung an derselben Stelle die Rotation unterbricht. Die Abstände zwischen dem Knistern werden kleiner, bis es letztlich ganz verschwunden ist. Warten. Unbestimmt hebt sich die Hand, ballt sich zur Faust. Den Zeigefinger ausstrecken, vorsichtig nach vorn beugen. Die Fläche fühlt sich eben und kühl an unter der Fingerspitze. Ein weiteres kurzes Zögern, dann heben sich langsam die Lider.

So fühlt sich also Tschad an.
Platt und kalt und Frühlingswiesengrün.
Tschad. Mit einem Mal ist der Globus vom Schreibtisch gefegt, die Finger wieder auf der Tastatur. Schnelles Tippen, Ladevorgang. Bildersuche, - aha. Bilder von Soldaten mit Maschinengewehren, Massenansammlungen von Menschen, blau-gelb-rote Flaggen. Weit und breit nur Krieg und Armut.
Möchtest du da wirklich hin? - Der Finger ist dort gelandet, so waren es die Regeln. Aber dein erstes Ziel war doch Afrika! - Wikipedia. Schnell den Artikel überfliegen.
Tschad liegt in Afrika. Okay, wow, passt doch. Die Leute sagen, es sei gefährlich, tu's nicht. Ich sage, Suppe essen ist auch gefährlich: du kannst dabei Fernsehen und so plötzlich zu lachen anfangen, dass dir der Löffel in den Rachen rutscht und du daran erstickst. Sehr unwahrscheinlich, aber die Möglichkeit besteht. Und je länger du lachst, umso rasanter steigt die Wahrscheinlichkeit, beim Suppe Essen "den Löffel abzugeben". Ha-ha-ha.
Genauso steigt also mit jeder Sekunde die Wahrscheinlichkeit in Tschad umzukommen, während man sich dort aufhält. Das tun viele Menschen ihr Leben lang. Gefahr ist überall. Angst sollte kein Problem mehr darstellen.
Den Krieg miterleben und Beistand leisten.
Die Urwälder sehen und die Welt der Tiere - und Insekten - in all ihren Facetten vorgeführt bekommen.
Einen kleinen verwundeten Babyaffen finden, ihn aufpäppeln, ihn mitnehmen.
Er/Sie wird Coco/Kiki heißen.
In einem kaputten Landrover den Highway entlangfahren während die Sonne untergeht.
Mit Kiki/Coco am Strand von Kalifornien liegen und Milkshakes trinken/Banana Splits essen.
Die Schönheit Alaskas erleben.
Polaroids und Postkarten von allen Orten der Welt aus versenden, kein Facebook.
Ruhe und Frieden und lernen, mit sich selbst und mit der Umwelt sowie den Mitmenschen zu leben.
Sich selbst finden.
Das ist das Ziel. Um die ganze Welt.




1 Kommentar:

  1. Erstmal vielen Dank! :D
    Und ich mach meine Bilder immer mit Stativ und Selbstauslöser :))

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